Heugabellandwirte auf dem Weg – von Val Müstair nach Stilfs und Meran

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Heugabellandwirte auf dem Weg – von Val Müstair nach Stilfs und Meran

herbstliches Val Müstair

Wie jedes Jahr im Oktober fand auch heuer wieder der traditionelle Heugabel-Ausflug statt. 21 Landwirte und Bäuerinnen besuchten den Naturpark Val Müstair, machten Halt in Stilfs und lernten Siegi Platzer und seine Stilfser Bergkräuter kennen und verbrachten einen Nachmittag in den Gärten von Trauttmansdorff in Meran.

Der Wettergott meinte es gut, als am Samstag, den 13.10. sich Heugabel-Landwirte aus Dünserberg, Schnifis, Schlins und Frastanz auf den Weg ins Münstertal machten. Die Strecke führte über den Flüela- und Ofenpass nach Santa Maria im Val Müstair. Dort angekommen erwartete Yves Schwyzer, Mitarbeiter des Naturparks Val Müstair die Gruppe. Zusammen mit ihm ging es zu Fuß über Felder und Waldabschnitte nach Müstair.

Artenschutz und Landwirtschaft -Felsenfalterprojekt

Der Felsenfalter, der zu den seltensten Schmetterlingen Mitteleuropas gehört und vom Aussterben bedroht ist, kommt in der Gemeinde Müstair noch vor. Er besiedelt extrem trockene, steinige Rinder- und Schafweiden. Diese eng begrenzten Lebensräume sind in den letzten Jahren zunehmend durch Aufgabe von Beweidung verbuscht. Hier will das Felsenfalterprojekt Abhilfe schaffen, indem es die Offenhaltung und die Neuschaffung von beweideten Trockenrasen fördert. Mit einem Landwirt aus der Gemeinde, der Ziegen hält, konnte ein Partner gefunden werden, der diese Flächen wieder beweidet. Davon profitiert nicht nur der Felsenfalter, sondern auch eine bedrohte Lebensgemeinschaft mit vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten.

Rast im Klostergarten – Kloster Val Müstair

Der Legende zufolge geriet Karl der Große nach seiner Krönung zum König der Langobarden auf dem Umbrailpass in einen Schneesturm und kam heil davon. Als Dank soll er das Kloster St. Johann gestiftet haben, wofür die Stuckstatue in der Kirche Zeugnis ablegt. Als Mönchskloster gegründet, ist es seit dem 12. Jahrhundert Frauenkonvent. Das Kloster war in seiner über 1200jährigen Geschichte stets bewohnt. 1983 wurde das Benediktinerinnenkloster St. Johann in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Gerstlsuppe, Salsiz und verschiedene Käsesorten – alle Produkte regional und biologisch produziert, warteten auf die Gruppe aus Vorarlberg im wunderschönen Klostergarten von Müstair. Neben dem Bewirtschafter der klösterlichen Landwirtschaft berichtete auch der Gemeindepräsident von Val Müstair über Herausforderungen und Besonderheiten im Tal.

Stilfs – wo die Hennen Steigeisen tragen

Den Abend und die Nacht verbrachten die Landwirte in Stilfs. Das Dorf liegt zwischen Prad und dem Stiflser Joch, an den Hängen des Munwarters und des Chavalatsch, welche die Grenze zur Schweiz bilden, auf rund 1.300 m Meereshöhe. Stilfs gilt als typisches romanisches Haufendorf, das auf die Zeit der Bergknappen des 15. Jh. zurück geht. Die aneinander gebauten Häuser am Steilhang, getrennt von engen Gassen, scheinen geradezu nach oben zu streben. Man sagt, dass hier oben “selbst die Hennen Steigeisen tragen”. Stilfs wurde sternförmig um die Quellen angelegt. In Stilfs entstanden acht Brunnen. Früher holten sich die Leute dort das Trinkwasser, hier wurde die Wäsche gewaschen und das Vieh wurde getränkt. Heute wird das Wasser vor allem für die Gärten genutzt.

Siegi Platzer führte durch das Dorf und präsentierte seinen Kräutergarten. Malve, Melisse, Königskerze, Thymian etc. trocknet und verarbeitet Siegi zu Tee. Wilde Kräuter aus seinen Magerwiesen in einer Höhe von über 1500m dienen als Grundlage für verschiedene Sirupe. Nach der Verkostung von Tee und Sirup in Siegis Teestube ging es weiter nach Meran.

Trauttmansdorff – Pflanzen aus aller Welt

Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Meran erstrecken sich auf einer Fläche von 12 Hektar in Form eines natürlichen Amphitheaters über einen Höhenunterschied von 100 Metern. Das eröffnet beeindruckende Perspektiven auf exotische Gartenlandschaften sowie atemberaubende Ausblicke auf die umliegende Bergwelt und die Kurstadt Meran. In über 80 Gartenlandschaften blühen und gedeihen verschiedenste Pflanzen aus aller Welt.

Das Ambiente war ideal für ein gemütliches Mittagessen im Freien und einen sonntäglichen Spaziergang durch die Gärten bevor es am späten Nachmittag wieder zurück nach Vorarlberg ging.