Veranstaltungsreihe: “Unser Boden im Klimawandel”
17. Oktober 2019

Heugabelausflug nach Tirol

12.-13. Oktober 2019

Es war noch dunkel, als die 20 Landwirtinnen und Landwirte sowie Helferinnen und Helfer am Samstag, 12. Oktober über Lech Richtung Tirol fuhren. Auf kurvigen Straßen, vorbei an schneebedeckten Bergen, erreichten sie nach ca. 2 Stunden Fahrzeit die Gemeinde Forchach im Naturpark Tiroler Lech. Dort wurden sie von Emil und Stefan, zwei Naturpark Ranger, begrüßt und in einer dreistündigen Exkursion entlang des Flusses begleitet.

Der Naturpark Tiroler Lech ist seit 2000 ein Europaschutzgebiet und vier Jahre später wurde er um den Titel Naturpark erweitert. Namensgebend ist der Fluss Lech – der letzte Wildfluss in den Nordalpen. Anders als so oft der Fall folgt der Fluss keinem verbauten Flussbett, sondern darf sich Tag für Tag immer wieder seinen Weg neu bahnen. Unzählige Flussarme verzweigen und vereinen sich, begleitet von weiten Auwäldern. Wie die Außerferner Bevölkerung gerne sagt, ist der Lech der größte Grundeigentümer der Region. Viele seltene Tier- und Pflanzenarten sind dort zu finden, so zum Beispiel der Flussuferläufer, die gefleckte Schnarrschrecke oder die deutsche Tamariske. Auch die Kreuzkröte ist dort beheimatet. Ein wichtiger Lebensraum, denn neben Gmünd im Waldviertel ist die Region entlang des Lechs das einzige Vorkommen dieser seltenen Amphibienart.

Nach einer kurzen Stärkung im Restaurant Lechzeit ging es weiter nach Seefeld, wo sie die Tiroler Bio Alpakas der Familie Haslwanter besuchten. Dies ist ein kleiner Betrieb, der sich seit dem Jahr 2011 rein auf die Züchtung von Alpakas und den Verkauf derer Produkte fokussiert. Derzeit leben dort rund 35-40 Alpakas – das Jüngste nur 1 Monat alt. Mit einer kleinen Weide direkt an den Stall angrenzend ist es den Tieren möglich, zu jeder Tages- und Nachtzeit rein- und rauszugehen. Geschoren werden die Tiere einmal pro Jahr und liefern somit rund 4kg Wolle pro Tier. Diese, ihre Losung in Form von Bio-Langzeitdünger und diverse andere Alpaka Produkte werden direkt in dem kleinen Hofladen verkauft. Dass die Tiere sehr zahm, neugierig und zum Teil auch verschmust sind, zeigte sich spätestens als Florian Haslwanter die Landwirte in den Stall einlud.

Den Abend und die Nacht verbrachten die Landwirte in Wattens. Am nächsten Tag ging es weiter entlang am Achensee, einer wunderschönen Bergkulisse und vielen kleinen Dörfchen zum Naturpark Karwendel. Im Naturparkhaus in Hinterriß erzählte der Exkursionsleiter Volker Ried Allgemeines über den Naturpark, so zB dass der Naturpark Karwendel Österreichs größter Naturpark ist. Eingebettet zwischen den hohen Bergen des Karwendelgebirges befindet sich eine große, offene Fläche: der Große Ahornboden. Über 2500 Ahornbäume – zum Teil bis zu 600 Jahre alt – stehen dort und präsentieren derzeit ihre bunt gefärbten Herbstblätter in voller Pracht. Manche Bäume sind schon so alt, dass sie langsam absterben und dadurch wichtige Lebensräume für Fledermäuse oder Weißrückenspechte bieten. Im Sommer dienen die vielen Bäume als Schattenspender für die weidenden Kühe auf der Engalm. Die Engalm befindet sich am Ende des Tales und besteht aus einer Sennerei mit Verkaufsladen, einem Restaurant sowie einer Pension für die Gäste und diversen größeren und kleineren Almhütten, die in den Sommermonaten die Landwirte beherbergen. Jedes Jahr wird die Alm von ca. 500 Rindern beweidet, ungefähr die Hälfte davon sind Milchkühe.

Nach dieser eindrucksvollen Wanderung ging es für eine Nachmittagsjause wieder zurück nach Hinterriß um anschließend gestärkt zurück ins Ländle zu fahren.

Fotos: Günter Stadler & Marina Fischer