Sibirische Schwertlilie

    Aussehen:

    Wenn im Frühsommer die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) zu blühen beginnt, dann verwandeln sich die Rieder des Talbodens von Walgau und Rheintal in ein blaues Meer. Am eindrucksvollsten ist dieses Schauspiel zwar sicherlich in den Riedern von Bangs und Matschels (Feldkirch) im Mündungsgebiet von Ill und Rhein, aber auch im Frastanzer, Mottner und Satteinser Ried ergeben sich stellenweise sehr schöne Blühaspekte. Die Sibirische Schwertlilie kann als Charakterart der Rieder bzw. Talboden-Nieder¬¬moore Vorarlbergs, bzw. ganz allgemein der Moor- und Auenwiesen der Tal- und Beckenlagen des Alpenraums und des Alpenvorlands ge¬sehen werden. Ihr Gesamtareal umfasst die warm-gemäßigten Gebiete Europas und Asiens, ihre östlichsten Vorkommen liegen in West-Sibirien (Altai-Gebiet).

    Die Bezeichnung Schwertlilie nimmt Bezug auf die vielfach schwertförmigen Blätter die der Gattung und der Familie der Schwertlilien-Gewächse (Iridaceae) zu Eigen sind. Im Falle der Sibirischen Schwertlilie sind sie sehr schmal und fast grasartig. Sie entspringen einem unterirdischen Sproß (Rhizom) der sich mit der Zeit reich verzweigt, weshalb die Sibirische Schwertlilie häufig sehr große, vielblütige Horste bilden kann. Der Blütenbau der Schwertlilien ist recht eigentümlich und kompliziert. Die drei äußeren Perigon- bzw. Blütenblätter sind zurückgeschlagen und als Hängeblätter aus¬gebildet, während die drei inneren aufrecht stehen und als Domblätter bezeichnet werden. Jeweils zwei Perigonblätter formen gemeinsam mit einem ebenfalls blütenblattartig ausgeformten Griffel (dem weiblichen Blütenorgan) eine Blüte. Der Gesamtblütenstand wiederum setzt sich aus drei derartigen Einzelblüten zusammen. Das zungenartige Hängeblatt ist in seinem vorderen Teil stark verbreitert, von weißer Grundfarbe und ausgehend vom dunklen Mittelstreifen von zahlreichen blau-violetten Adern durchzogen. Im hinteren Teil verschmälert sich das Blütenblatt zusehends zu einer Nektarröhre und die Farbe der Zeichnung ver¬ändert zu einem schwärzlichen Braun mit gelbem Schimmer. Der stark verbreiterte Griffel ragt dach¬artig weit über die Zunge und gleicht mit seiner blauvioletten Farbe einem Blütenblatt, die weibliche Narbe und die Staubblätter finden sich auf seiner Unterseite. Die Domblätter letztlich sind eben¬falls blau-violett gefärbt und etwas dunkler geädert. Von diesem doch recht eindrucksvollen Schau-Apparat werden verschiedenste Insekten, wie z.B. Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge angelockt. Die Blütenbesucher landen auf der breiten Zunge des Hängeblatts und zwängen sich auf der Suche nach Nahrung unterhalb des Griffels in Richtung Nektarröhre vor. Dabei streifen sie mit ihrem Rücken von den Staubblättern Pollen ab, bzw. laden diesen auf der Narbe ab und bestäuben so die Blüte. Die Samen reifen in großen Samenkapseln heran die im Laufe des Spätsommers ver¬holzen und sich braun verfärben.

    In der Vergangenheit hoch gefährdet

    Aufgrund des großflächigen Lebensraumverlusts in Folge von Trockenlegung und/oder Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung ist die Sibirische Schwertlilie in vielen Gebieten Europas sehr selten geworden bzw. stellenweise sogar gänzlich verschwunden. Als in den 1970er und 1980er Jahren eine massive Intensivierungswelle das Ländle erfasste und innerhalb kurzer Zeit ausgedehnte Ried- und Streuewiesenflächen zerstört wurden (im Gebiet Bangs-Matschels blieben nicht einmal ausgewiesene Naturschutzgebiete davon verschont) blickte sie auch in Vorarlberg einer düsteren Zukunft entgegen. Nur dem engagierten Auftreten des Naturschützer ist es zu verdanken, daß dieser Entwicklung gerade noch rechtzeitig Einhalt geboten werden konnte. Ihrem Druck ist es auch zu verdanken, daß es letztlich zu einer Änderung des Naturschutzgesetzes kam und entsprechende Schutzverordnungen erlassen wurden (Streuewiesen-Verordnung). Damit scheinen die Rieder vorerst gesichert zu sein, doch Vorsicht ist immer angebracht, zumal verschiedenste Begehrlichkeiten auf den Land¬schafts-räumen des Landes lasten (z.B. Zersiedelung, Betriebserweiterungen, Straßenbau, Land¬wirtschaft).

    Lebensraum: Rieder und Moore des Talbodens und der Hanglagen; Massenbestände bildet sie aber nur im Talboden und den untersten Hanglagen aus. In höheren Lagen tritt sie dagegen meist nur vereinzelt auf, wobei so manches Vorkommen auf gezielte Auspflanzung bzw. evtl. auch um Verschleppung der Samen zurückzuführen ist. Die höchsten Vorkommen des Walgaus liegen auf rund 1100 Meter Seehöhe. Ihren Verbreitungsschwerpunkt bzw. ökologisches Optimum besitzt sie in Pfeifen¬gras¬wiesen wechselfeuchter Standorte, von wo aus sie in zahlreiche andere Vegetationstypen der Feucht¬lebensräume (z.B. Kleinseggenrieder, Hochstaudenfluren) ausstrahlen kann.

    Blütezeit: Ende Mai bis Juni